«Apollo Go» ist keine Fortsetzung der Raumfahrtmission, die in den 1960er Jahren die US-Raumfahrtagentur NASA auf den Mond führte, sondern ein chinesisches Unternehmen, mit dessen Hilfe die PostAuto-Sparte der Schweizerischen Post demnächst das automatisierte Fahren in vier Kantonen testen will.

Das Bild vom langweiligen, altgedienten Postbus, der auf Heidi-Routen und abgelegenen Bergstrecken seine Runden in den Schweizer Bergen dreht, gehört ohnehin längst der Vergangenheit an. Jetzt will die Schweizerische «PostAuto»-Sparte die vier Kantone St. Gallen, Appenzell Ausserrhoden, Appenzell Innerrhoden und Thurgau regelrecht in die Zukunft katapultieren und Perspektiven für das autonome Fahren wie im Silicon Valley und seit kurzem auch in Hongkong und Hongshan auf die Strasse bringen.
St. Regli: Eine neue Ära im ÖV
Die Fahrzeuge, die dabei Verwendung finden sollen, haben keine klobigen Aufbauten mehr, sondern inzwischen ein eher aerodynamisches Design. Letzte Testfahrten fanden 2024 in Honkkong und im März 2025 in Dubai sowie Abu Dhabi statt. Nun sollen die Robotfahrzeuge in «postgelb» und unter dem Label «AmiGo» auch in der Ostschweiz ab 2027 zum Einsatz kommen.
Fotos (5): ApolloGo
Wenn alles läuft, wie derzeit geplant, starten die ersten Testfahrten schon diesen Dezember unter Beteiligung der Bundesämter für Verkehr (BAV) und Strasse (ASTRA), den ostschweizerischenKantonen, dem Touring-Club Schweiz (TCS) sowie weiteren Partnern mit Kartografierungsfahrten. Zum Start noch ohne Passagiere und mit Sicherheitspersonal an Bord.Technologiepartnerin Apollo Go betreibt eigenen Angaben zufolge bereits heute mehr als tausend automatisierte Fahrzeuge weltweit.
Freifahrt für Senioren
Mit «AmiGo», sagt Stefan Regli, Leiter Mobilitäts-Services und Mitglied der Konzernleitung der Schweizerischen Post, werde PostAuto zur Vorreiterin für eine neue Ära im öffentlichen Verkehr: Das Angebot soll künftig das heutige Angebot dort ergänzen, wo Gebiete mit dem klassischen Linienverkehr nicht optimal erschlossen sind.
Per App auf Abruf verfügbar
Ziel sei es, ein reguläres Mobilitätsangebot mit automatisierten Fahrzeugen im Einsatzgebiet aufzubauen und sukzessive weiterzuentwickeln. Die selbstfahrenden Fahrzeuge werden auf Abruf verfügbar sein: Die Kundinnen und Kunden buchen die Fahrt per App. Fahren zur gleichen Zeit andere Nutzerinnen eine ähnliche Strecke, wird das System die Fahrten zudem zusammenlegen können (Ride-Pooling).
November 2024 in Hongkong
Fahrgemeinschaften verbessern die Auslastung der Fahrzeuge. So entstehe ein flexibles, bedarfsgerechtes Angebot, das die Mobilität noch effizienter, nachhaltiger und kundenfreundlicher macht. Jedes Fahrzeug bietet Platz für bis zu vier Fahrgäste und genügend Stauraum für Gepäck. Die gesamte Flotte ist elektrisch betrieben. «Das automatisierte Fahren ist keine Zukunftsvision mehr, sondern Realität im Aufbau. Jetzt gilt es, Erfahrungen mit führerlosen Fahrzeugen zu sammeln. Pilotprojekte wie dieses zeigen, wie die Schweiz automatisierte Fahrzeuge verantwortungsvoll einsetzt – für eine sichere, effiziente und zugängliche Mobilität», so Jürg Röthlisberger, Direktor des ASTRA.
«Grosse Umwälzungen im Gange»
Regierungspräsident Beat Tinner, Vorsteher des Volkswirtschaftsdepartements des Kantons St. Gallen stellvertretend für die Ostschweizer Kantone: «Mit AmiGo setzen die Ostschweizer Kantone ein starkes Zeichen für eine zukunftsorientierte Mobilität und eine innovative Weiterentwicklung des öffentlichen Verkehrs». Auch Jürg Wittwer, TCS-Generaldirektor des TCS ist überzeugt, dass flexible, automatisierte Mobilitätsangebote künftig eine wichtige Rolle spielen werden. «Wir werden grosse Umwälzungen im Bereich der Mobilität erleben, insbesondere im öffentlichen Verkehr. Die Routenvielfalt und Mobilitätsformen werden sich erheblich verändern». Der TCS wolle diese Entwicklungen begleiten.
Wertvoller Technologiepartner
«Wir freuen uns, dass sich PostAuto für Apollo Go als Technologiepartner entschieden hat», so Liang Zhang, Geschäftsführer EMEA, Baidu Apollo. «Weltweit betreiben wir bereits heute erfolgreich mehr als tausend automatisierte Fahrzeuge mit bislang 14 Mio. absolvierten Fahrten. Diese Erfahrung bringen wir in unser erstes Projekt in Europa ein und wir hoffen, dass wir unsere Partnerschaft mit PostAuto künftig weiter stärken und ausbauen können».
Sozusagen eine «Apollo Mission» auf moderner Basis. Ob es auch Freifahrten für Senioren geben wird, wie kürzlich im chinesischen Hongshan-Distrikt, ist noch nicht bekannt. Wichtig wäre zudem zu wissen, ob das autonome System auch auf engen Passstrassen und Serpentinen zuverlässig die Spur hält.

















